Nachtspeicherofen: Asbest prüfen, ohne das Gerät zu öffnen

Im Wohnzimmer steht noch der alte Nachtspeicherofen, Baujahr irgendwann in den Siebzigern. Ob da Asbest drin ist, steht meistens schon auf dem Typenschild. Schraubenzieher und Staubsauger brauchen Sie dafür nicht – im Gegenteil.

Erst schauen, nicht schrauben

Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) sagt es deutlich: Für Nachtspeicheröfen ist keine Probenahme erforderlich. Hersteller, Typ und Baujahr genügen für die Einstufung.

1. Gerät nicht öffnen

Keine Abdeckung abnehmen, nicht reinigen, nicht aussaugen. Asbest steckt im Inneren, etwa in der Kernsteinabdeckung, in Distanzhaltern oder Dichtungen. Beim Öffnen wird dieses Material bewegt.

2. Typenschild suchen

Das Schild sitzt meist seitlich oder unten am Gerät, manchmal hinter der abnehmbaren Bedienblende. Notieren Sie Hersteller, Typbezeichnung, Fabrikationsnummer und Baujahr. Ein Foto reicht.

3. Mit der Herstellerliste abgleichen

Hersteller wie Dimplex führen Listen ihrer asbesthaltigen Geräte. Steht Ihr Typ darin, ist die Sache klar. Fehlt das Schild oder ist es unleserlich, behandeln Sie das Gerät wie ein asbesthaltiges.

Was Behörden und Hersteller sagen

Laut LfU Bayern ist bei Nachtspeicheröfen, die vor 1984 in den alten Bundesländern hergestellt wurden, von asbesthaltigen Bauteilen auszugehen. Genannt werden unter anderem Kernsteinträger, Kernabdeckplatte, Distanzhalter, die Dämmstoffhülse der Steuerpatrone, Dichtungsstreifen am Ventilatorgehäuse, die Rückwand und asbestisolierte Leitungen. Bestimmt wird das über Typbezeichnung und Herstellungsjahr; auch der Energieversorger kann Auskunft geben (LfU Bayern, Merkblatt 413).

Dimplex stellt eine Asbest-Datenbank bereit und schreibt, dass die meisten seiner vor 1976 gebauten Speicherheizgeräte schwach gebundenen Asbest enthalten. Andere Hersteller oder deren Nachfolger geben auf Anfrage ebenfalls Auskunft.

Zwei weitere Punkte aus dem LfU-Merkblatt: Die Speicherkerne aus Magnesit oder Forsterit können Chrom(VI) enthalten, und Geräte bis Mitte 1989 können PCB-haltige Bauteile im Kapillarregler haben. Beides ist ein Grund mehr, das Gerät als Ganzes und unzerlegt abzugeben.

Ausbau nur durch eine Fachfirma

Nachtspeicheröfen werden in der TRGS 519 ausdrücklich erwähnt. Für den Ausbau braucht die Firma Sachkunde nach TRGS 519 und zeigt die Arbeiten vorher bei der Behörde an. Für kleinere Geräte gibt es ein anerkanntes emissionsarmes Verfahren mit Glove-Bag (DGUV-Information ET 1): Das Gerät muss kalt sein, und es arbeitet sachkundiges Personal.

Holen Sie sich ein Angebot von einer Fachfirma, die solche Ausbauten regelmäßig macht. Fragen Sie nach dem Verfahren, nach der Anzeige bei der Behörde und danach, wer die Entsorgung übernimmt. AsbestCheck baut selbst nichts aus – wir sanieren nicht und verkaufen keine Folgearbeiten.

Wofür wir trotzdem kommen

Andere Materialien im Raum

Wer den Ofen tauscht, renoviert oft gleich mit: alter Floor-Flex mit schwarzem Kleber, Fensterbänke, Putz oder Spachtel. Dort nehmen wir Materialproben: erste Probe 286 €, jede weitere 162 €, ab der 10. Probe 149 €.

Raumluft nach dem Ausbau

War das Gerät beschädigt oder ist beim Ausbau etwas schiefgegangen, gibt eine Raumluftmessung nach VDI 3492 Klarheit. Die Messung bieten wir auf Anfrage an.

Was wir nicht machen

Wir öffnen keine Nachtspeicheröfen und nehmen keine Proben daraus. Das wäre der Eingriff, vor dem dieser Ratgeber warnt.

Probe für den Rest der Wohnung

Bis 20 km Straßenentfernung ab Mössingen-Öschingen keine Anfahrtskosten, darüber 77, 143 oder 214 € je nach Zone. Den Richtpreis zeigt der Rechner.

Entsorgung: als Ganzes, verpackt, nicht zerlegt

Nachtspeicheröfen sind Elektroaltgeräte und gehören zur kommunalen Sammelstelle. Im Raum Tübingen/Reutlingen nimmt der ZAV sie in Dußlingen kostenlos an – einzeln, staubdicht verpackt und nicht zerlegt. Aus Metzingen und Pfullingen nimmt der ZAV keine Öfen an, die Städte haben eigene Sammelstellen (ZAV FAQ).

Das LfU nennt als Abfallschlüssel 20 01 35* (aus Haushalten) bzw. 16 02 12* (Geräte mit freiem Asbest). In der Praxis übernimmt das meist die ausbauende Fachfirma. Mehr zur Entsorgung in unserer Region: Asbest entsorgen.

Häufige Fragen

Muss mein alter Nachtspeicherofen sofort raus?

Nicht zwingend. Ein intaktes, geschlossenes Gerät, an dem niemand schraubt, setzt in der Regel wenig frei. Kritisch sind beschädigte Geräte, auffälliger Staub am Luftauslass und jede Reparatur oder Demontage. Wenn der Ofen ohnehin ersetzt werden soll, lassen Sie ihn von einer Fachfirma ausbauen.

Darf ich den Ofen selbst abbauen?

Davon raten Behörden und Hersteller ab. Firmen brauchen für den Ausbau Sachkunde nach TRGS 519 und zeigen die Arbeiten vorher an. Auch privat gilt: Die Freisetzung von Fasern ist so weit wie möglich zu verhindern (§ 11 Abs. 7 GefStoffV). Wer den Ofen zum Tragen zerlegt, macht das Gegenteil.

Mein Gerät ist von 1978 – ist da Asbest drin?

Gut möglich. Laut Bayerischem Landesamt für Umwelt ist bei Geräten aus den alten Bundesländern mit Baujahr vor 1984 von asbesthaltigen Bauteilen auszugehen. Sicherheit gibt der Abgleich von Hersteller, Typ und Baujahr mit der Liste des Herstellers. Steht das Gerät nicht drin oder ist das Typenschild unleserlich, behandeln Sie es wie ein asbesthaltiges Gerät.

Nehmen Sie eine Probe aus dem Ofen?

Nein. Wir öffnen keine Nachtspeicheröfen. Dafür müsste das Gerät zerlegt werden, und dabei werden Fasern frei. Das LfU Bayern hält eine Probenahme hier auch nicht für erforderlich: Typenschild und Herstellerliste reichen für die Einstufung.

Wohin mit dem ausgebauten Gerät?

Nachtspeicheröfen sind Elektroaltgeräte. Im Raum Tübingen/Reutlingen nimmt die ZAV-Sammelstelle in Dußlingen sie kostenlos an – einzeln, staubdicht verpackt und nicht zerlegt. Aus Metzingen und Pfullingen nimmt der ZAV keine Öfen an, dort gibt es eigene Sammelstellen. Details: Asbest entsorgen.

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